Studie fragt: Wie ticken Konfessionsfreie?

Forschungsleiterin Tatjana Schnell von der Universität Innsbruck. Foto: Wendy A. Hern

Sie sind "gottlos glücklich": Konfessionsfreie in Düsseldorf. Foto: David Müller-Rico

Einblick in die Lebenswelten konfessionsfreier Menschen: dies ist Ziel einer ambitionierten wissenschaftlichen Untersuchung in fünf europäischen Staaten. Erstmals soll durch die Studie eingehender erforscht werden, mit welchen lebensweltlichen Identitäten und weltanschaulichen Auffassungen sich konfessionsfreie Menschen verbunden sehen. Die Online-Befragung läuft bis Ende Dezember.

In der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz, Österreich, Dänemark und den Niederlanden führen bereits heute Millionen Menschen ein Leben ohne Kirche oder Religion. In Deutschland ist laut dem Religionswissenschaftlichen Mediendienst (REMID) derzeit ein Drittel der Bevölkerung konfessionsfrei, Tendenz steigend.

Frühere repräsentative Befragungen und Untersuchungen für den Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung zeigten, dass die deutliche Mehrheit der Konfessionsfreien a- bzw. nichtreligiöse Lebensauffassungen hat sowie ein auf Selbstbestimmung und humanistisch-ethischen Grundsätzen beruhendes Leben führt.

Detailliertere Erkenntnisse, welche weltanschaulichen Auffassungen und wertebezogenen Orientierungen unter Konfessionsfreien verbreitet sind, lagen bisher kaum vor. Eine Forschungsgruppe will das ändern.

Die von den vier einschlägig renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Tatjana Schnell (Universität Innsbruck), Elpine de Boer (Universität Leiden), Peter La Cour (Universität von Kopenhagen) und Hans Alma (Universität für Humanistische Studien, Utrecht) entwickelte Befragung will herausfinden, wie die Identitäten der konfessionsfreien Menschen in den fünf europäischen Ländern „gestrickt“ sind, in denen die Befragung in den nächsten Monaten durchgeführt wird. „Welche Weltbilder vertreten sie, welche Erfahrungen machen sie? Gibt es andere, nicht-religiöse Organisationen, denen sie sich zugehörig fühlen? Unser Ziel ist es, mehr Wissen über die Vielfalt unserer Weltbilder zu gewinnen. Nur so können die unterschiedlichen Anliegen auch angemessen in der Gesellschaft Gehör finden“, sagt die Psychologin Tatjana Schnell, assoziierte Professorin am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck, zum Zweck der Untersuchung.

Für die erste Stufe der Studie wurde vor kurzem eine Online-Befragung gestartet, in der Interessierte sich zahlreichen Fragen stellen können, um den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern klarere Erkenntnisse über die Aspekte der Identität, Lebensauffassung und Werteorientierung konfessionsfreier Menschen zu ermöglichen. Was erwarten sie von ihrem Leben? Welches Verständnis von Wissen und Wahrheit wird vertreten? Wie verbreitet sind Praktiken wie Gebete oder Meditation unter Menschen ohne Kirchen- bzw. Religionszugehörigkeit? Glauben Konfessionsfreie an Telepathie oder andere Wunderkräfte? Wie halten sie es mit der Evolutionstheorie?

Von Seiten des Humanistischen Verbandes Deutschlands, der sich als eine Kultur- und Interessenorganisation konfessionsfreier Menschen versteht, ist die wissenschaftliche Untersuchung des internationalen Forscherkollegiums begrüßt worden. Frieder Otto Wolf, Philosoph und Präsident des Verbandes, sagte zu der neuen Studie, es sei „sehr erfreulich, dass die Existenz, die Relevanz und die Interessen von konfessionsfreien Bürgerinnen und Bürgern auch die zunehmende Aufmerksamkeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern finden und entsprechend empirisch untersucht werden."

Hier geht es zur Online-Befragung Konfessionsfreie Identitäten.

Die Ergebnisse der Untersuchung mit dem Titel „Konfessionsfreie Identitäten“ sollen im Frühjahr 2017 vorgestellt werden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Online-Befragung haben nach Beantwortung des Fragekatalogs die Möglichkeit, bei Interesse eine Zusammenfassung der Studienergebnisse anzufordern.

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