Unsere Geschichte

Der Humanistische Verband in Bayern


Schlaglichter aus der Geschichte

Der HVD Bayern hat seine Wurzeln in Nürnberg. Das freigeistige Nürnberg kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Schon im Jahr 1848 wurde hier eine "frei-christliche Gemeinde" im Sinne der Reformbestrebungen des dissentierenden Geistlichen Johannes Ronge gegründet. Schon bald unterhielt die Gemeinde zwei Kindergärten, eine Schule sowie eine Sozialstation. Diese Aktivitäten wurden vor allem vom rührigen Frauenverein der Gemeinde getragen.

Nürnberg war bis zur Zwangsauflösung 1852 der Hauptort der Ronge'schen Reformbewegung für ganz Süd- und Ostdeutschland von Straßburg bis Breslau. Leider konnte die Gemeinde nach ihrer eingeschränkten Wiederzulassung in den 1860er Jahren und später als "Freireligiöse Gemeinde" hieran nicht mehr in dieser Form anknüpfen. Doch beschäftigte man hauptberufliche Sprecher für die gemeindlichen Feiern sowie Lehrer, die einen freireligiösen Unterricht an den öffentlichen Schulen in Nürnberg für über 500 Schüler durchführten. Auch der Philosoph Ludwig Feuerbach, der auf dem Nürnberger Rechenberg lebte und dem heute dort ein "Philosophenweg" gewidmet ist, zählte zu den Mitgliedern. In der Weimarer Republik erreichte die Mitgliederzahl des "Bundes für Geistesfreiheit" (bfg), wie die Gemeinde seit 1927 hieß, etliche tausend Menschen.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der mehrheitlich sozialdemokratisch und zur Arbeiterbewegung hin orientierte bfg verboten und zerschlagen. Sein Vorsitzender, Richard Schramm, wurde im KZ Dachau inhaftiert. Nach dem Krieg wurde der "Bund für Geistesfreiheit" wieder gegründet und von der Staatsregierung in seine alten Rechte als Körperschaft des öffentlichen Rechts eingesetzt. Deshalb nimmt das Kultusministerium bis heute einige rechtsaufsichtliche Aufgaben für den HVD wahr.

Im "Mohrenturm" am Westtor, der heute die Ausstellung der turmdersinne gGmbH beherbergt, fand seither eine engagierte Jugendarbeit statt. Der bfg wirkte in den 1970er und 80er Jahren auch im Umfeld der Neuen Sozialen Bewegungen für Frieden, Frauenrechte und internationale Solidarität. So geht z.B. die Benennung des Platzes am Südausgang des Hauptbahnhofes in "Nelson-Mandela-Platz" u.a. auf seine Initiative zurück.

Die Eröffnung des ersten Humanistischen Kindergartens im Stadtteil Mögeldorf 1994 markiert den Beginn der verstärkten Hinwendung zu einem "praktischen Humanismus", die 1997 durch die Umbenennung in "Humanistischer Verband Deutschlands - HVD-Nürnberg" unterstrichen wurde. Im Oktober 2011 wurde eine weitere Namensänderung wirkam: seither heißt der Verband "Humanistischer Verband Deutschlands - Bayern", kurz HVD Bayern.

Der HVD Bayern heute

Heute zählt der HVD Bayern rund 1.800 Mitglieder. Als Interessenorganisation nicht-religiöser Menschen steht er in der Tradition des bürgerlichen Liberalismus ebenso wie in derjenigen der emanzipatorischen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Als Teil der internationalen Humanistischen Bewegung ist der HVD Mitglied in der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU), die beratende Stimme bei der UNO, der UNESCO und beim Europarat hat und weltweit mehr als vier Millionen Menschen repräsentiert.

Seine weltanschaulichen Grundüberzeugungen setzt der HVD Bayern auf vielfältige Art in die Praxis um. Er leistet auf der Grundlage weltlich-humanistischer Ethik und Moral soziale Arbeit und bietet Unterstützungs- und Beratungsangebote zur praktischen Lebenshilfe an, z.B. zu Patientenverfügungen. Er richtet Kultur- und Bildungsveranstaltungen aus, die Themen der weltlich-humanistischen Lebensführung aufgreifen. Er pflegt eine gemeinsame Fest- und Feierkultur, die von der Namensfeier über die Jugendfeier, die Humanistische Hochzeitsfeier bis hin zur weltlichen Bestattungsrede reicht.

Mit den Humanistischen Kindertagesstätten, der privaten Humanistischen Grundschule Fürth, den beiden Stadtmauertürmen des Turms der Sinne und der Jungen HumanistInnen sowie dem Humanistischen Zentrum in der Äußeren Cramer-Klett-Straße in Nürnberg, der Geschäftsstelle in Fürth und der Ortsgruppe in Würzburg und Zell am Main gibt es heute viele eigene "Standorte", an denen die bayerischen Humanistinnen und Humanisten im Sinne einer ethisch begründeten, nicht-religiösen Lebensauffassung wirken.