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Beratung bei Diskriminierung aufgrund der Weltanschauung

"Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich", so formuliert es Artikel 3 des Grundgesetzes. Und weiter heißt es: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

So wichtig und richtig dieses im Verfassungswerk verankerte Grundrecht auch ist: In der Realität stößt der hehre Anspruch der Gleichberechtigung und Gleichbehandlung immer wieder an seine Grenzen. Nichtreligiöse, Konfessionslose, AtheistInnen und HumanistInnen erfahren immer noch so manche Ungleichbehandlung gegenüber den Mitgliedern der großen Glaubensbekenntnisse.

Der HVD Bayern setzt sich für die Rechte religionsfreier Menschen ein. Sollten Sie aufgrund Ihrer Weltanschauung oder Konfessionsfreiheit von Diskriminierung betroffen sein, dann stehen Ihnen innerhalb des Humanististischen Verbandes kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.

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Gläsere Wände - Ein Bericht zur Benachteiligung nichtreligiöser Menschen in Deutschland

Foto: Andrea Diener/flickrcc unter CC BY-NC 2.0

Am Dienstag, den 1. September 2015, startete die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die bundesweite Umfrage „Diskriminierung in Deutschland 2015“. Anlässlich dieser Umfrage gibt der Humanistische Verband Deutschlands erstmals den Bericht „Gläserne Wände“ heraus.

Die kompakte Broschüre beschreibt auf rund 100 Seiten, in welchen Bereichen Bürgerinnen und Bürger ohne religiöses Bekenntnis benachteiligt werden und verweist auf aktuelle Konfliktfelder. Sie erläutert politische und rechtliche Hintergründe des Status quo und nennt Fallbeispiele.

Komplettiert werden die Darstellungen durch Vorschläge, wie die Politik Benachteiligungen abbauen könnte, sowie durch O-Töne konfessionsfreier und nichtreligiöser Menschen aus ganz Deutschland und eine Auswahl relevanter statistischer Befunde. Bislang ist „Gläserne Wände“ der einzige umfassende Bericht dieser Art.

Diskriminierung online melden


Nach der offiziellen Vorstellung am 17. September 2015 kann der Bericht als kostenfreies PDF auf der Website www.glaeserne-waende.de bezogen werden, die bereits seit heute zugänglich ist. Sie bietet unter anderem auch eine „Meldestelle“ zur Mitteilung von Benachteiligungserlebnissen und zeigt zum Thema zahlreiche Stimmen von Bürgerinnen und Bürgern aus allen Teilen der Bundesrepublik.

Hintergrund: Rund 25 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, knapp ein Drittel der Bevölkerung, gehören keiner Konfession an. Die große Mehrheit von ihnen ist nicht religiös. In den Großstädten – in den alten wie in den neuen Bundesländern – ist ihr Anteil regelmäßig erheblich höher. Doch wer in Deutschland nicht Mitglied in einer Kirche oder anderen traditionellen religiösen Glaubensgemeinschaft ist, hat oftmals die schlechteren Karten: auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, in der Politik, in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung.

Um das gesellschaftliche und politische Bewusstsein für die vielfältigen und teils gravierenden Formen der Diskriminierung konfessionsfreier und nichtreligiöser Menschen zu verbessern, ist der Bericht „Gläserne Wände“ entstanden.

Expertenstimmen

Dr. Thomas Heinrichs, Rechtsanwalt und Experte für Weltanschauungs- und Religionsverfassungsrecht:

„Das Recht der Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften in der BRD ist in seinen wesentlichen Zügen aus der Weimarer Reichsverfassung übernommen worden. Zwar kennt die Weimarer Reichsverfassung die formale Gleichstellung aller Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften, faktisch aber orientiert sich das Recht am Muster der Kirche.

Wer nicht als Kirche organisiert ist und wer nicht in der Rechtsform der Körperschaft existiert, erscheint rechtlich und auch faktisch als Religion bzw. Weltanschauung zweiter Klasse. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Noch immer ist in Recht und Politik die ‚Kirche‘ die normsetzende Form von Religion und Weltanschauung. Alle anders organisierten Religionen und Weltanschauungen werden strukturell benachteiligt.“


Sven Speer, Politikwissenschaftler, M.A., Vorsitzender Forum Offene Religionspolitik:

„Gläserne Wände stellt auf nie dagewesene Art dar, wie Nichtreligiöse in Deutschland benachteiligt werden. Dabei ist das Werk keine Klageschrift, sondern enthält zahlreiche konstruktive Vorschläge, wie Säkulare und Humanisten in das Kooperationsmodell von Staat und Religion integriert werden können. Der Bericht ist eine lohnende Lektüre für alle religionspolitisch Interessierten gleich welchen Bekenntnisses und Pflichtlektüre für die politisch Verantwortlichen.“

 

Prof. Dr. Thomas Mohrs, Philosoph und Professor an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich:

„Sachlich, nüchtern und unaufgeregt stellen die Autoren in ihrem Bericht die gläsernen Wände dar, an die nichtreligiöse Menschen in Deutschland nach wie vor stoßen – und zwar keineswegs nur dann, wenn sie einen Job bei einem Arbeitgeber in kirchlicher Trägerschaft anstreben.

Vielmehr hat die Diskriminierung überraschend viele Gesichter, ist auf vielen Ebenen und in vielen Gesellschaftsbereichen festzustellen. Über die beeindruckende Analyse hinaus gibt der Bericht aber auch eine Fülle von konkreten konstruktiven Anregungen, was getan werden müsste, um tatsächlich das im Grundgesetz verankerte Gleichbehandlungsgebot zwischen religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen zu realisieren.“

Audiofiles zum Thema

Interview mit Michael Bauer im Humanistischen Magazin vom 16. August 2015

Wie Nichtreligiöse in Deutschland diskriminiert werden - Kulturgespräch mit Michael Bauer auf SWR2

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Alle 3 Möglichkeiten funktionieren zumindest im Internet Explorer und im Mozilla Firefox, die Variante 1. ist auch bei vielen anderen Browsern Standard.